Ein Lymphödem entsteht, wenn das Lymphgefäßsystem die anfallende Flüssigkeit nicht mehr ausreichend abtransportiert und sich Lymphe im Gewebe staut. Betroffen sind meist Arme oder Beine, seltener auch Rumpf, Kopf-Hals-Bereich oder Genitalregion. Pro Tag nehmen die Lymphgefäße normalerweise rund 2 bis 4 Liter Lymphflüssigkeit auf – funktioniert dieser Abfluss nicht, schwillt das betroffene Körperteil an. Man unterscheidet das primäre Lymphödem (angeborene Fehlanlage) vom sekundären Lymphödem, das etwa nach Operationen, Bestrahlung oder Verletzungen auftritt.
Wichtig zu wissen: Ein Lymphödem ist eine chronische Erkrankung und nach heutigem Stand nicht heilbar. Mit der richtigen, dauerhaften Therapie lassen sich Schwellung und Beschwerden aber sehr gut kontrollieren. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser lässt sich ein Fortschreiten in höhere Stadien verhindern. Eine fachkundige Beratung, etwa im Beratungszentrum für Lymphologie bei ortho-top, hilft dabei, die passende Versorgung frühzeitig einzuleiten.
Die wirksamste und am häufigsten eingesetzte Behandlung beim Lymphödem ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie, kurz KPE. Sie ist eine konservative, also nicht-operative Therapie und besteht aus mehreren Bausteinen, die zusammenwirken. Studien zeigen, dass der Erfolg deutlich höher ist, wenn alle Bestandteile parallel angewendet werden, statt sich auf eine Einzelmaßnahme zu verlassen. Wird ein Baustein vernachlässigt, verlieren auch die übrigen an Wirkung.
Die KPE ruht auf fünf Säulen, die in jeder Behandlungsphase aufeinander abgestimmt werden:
Manuelle Lymphdrainage zur Anregung des Lymphabflusses
Kompressionstherapie mit Bandagen und später Kompressionsstrümpfen
Bewegungs- und Entstauungsübungen, idealerweise mit angelegter Kompression
Sorgfältige Hautpflege zur Vorbeugung von Infektionen
Aufklärung und Selbstmanagement der Betroffenen
Die KPE gliedert sich in zwei aufeinanderfolgende Phasen mit unterschiedlichen Zielen. Die Entstauungsphase reduziert die Schwellung, die Erhaltungsphase sichert das Ergebnis langfristig. Der typische Ablauf lässt sich in vier Schritten beschreiben:
Diagnose und Befundung: Ein Arzt oder Lymphologe sichert die Diagnose, unter anderem über das Stemmersche Zeichen, und legt die Therapie fest.
Entstauungsphase (Phase I): Über etwa zwei bis sechs Wochen erfolgt oft täglich eine manuelle Lymphdrainage, anschließend wird das Körperteil bandagiert.
Anpassung der Kompressionsversorgung: Sobald die Schwellung zurückgegangen ist, wird ein flachgestrickter Kompressionsstrumpf maßgenau angepasst.
Erhaltungsphase (Phase II): Die Lymphdrainage erfolgt in größeren Abständen, der Kompressionsstrumpf wird konsequent getragen, ergänzt durch Bewegung und Hautpflege.
Die Bandagen der ersten Phase haben den Vorteil, dass sie sich dem abnehmenden Umfang leicht anpassen lassen. Erst wenn die Schwellung nicht weiter zurückgeht, wird auf den Kompressionsstrumpf umgestellt. Diese Versorgung sollte immer durch ein qualifiziertes Sanitätshaus erfolgen, da die Kompressionsbekleidung exakt an die individuellen Maße angepasst werden muss, um wirksam zu sein.
Die manuelle Lymphdrainage (MLD) ist eine sanfte Grifftechnik, die den Abtransport der gestauten Flüssigkeit fördert. Anders als bei einer klassischen Massage wird nicht geknetet, sondern mit geringem Druck gearbeitet. Geschulte Therapeuten nutzen Grundgriffe wie den stehenden Kreis, den Pump-, Schöpf- und Drehgriff und beginnen dabei an den Lymphknoten der Körpermitte, bevor sie das betroffene Körperteil behandeln.
Eine MLD darf nur von Physiotherapeuten oder medizinischen Masseuren mit entsprechender Zusatzausbildung durchgeführt werden. Bei bis zu 75 Prozent der Betroffenen führt sie zu einer spürbaren Verringerung der Schwellung. Damit das Ergebnis erhalten bleibt, muss direkt im Anschluss eine Kompression durch Bandage oder Strumpf erfolgen. Bei akuter Wundrose oder einer tiefen Beinvenenthrombose darf eine Lymphdrainage nicht angewendet werden.
Die Kompression ist das Herzstück der dauerhaften Versorgung, denn sie verhindert, dass sich erneut Flüssigkeit einlagert. Beim Lymphödem kommen flachgestrickte Kompressionsprodukte zum Einsatz, die individuell angefertigt werden. Der Massageeffekt der Bandage bei Bewegung hilft zusätzlich, verfestigtes Bindegewebe zu lockern. Welche Hilfsmittel sinnvoll sind, hängt vom Stadium und vom betroffenen Körperteil ab. Eine umfassende Übersicht und Anpassung bieten die Kompressionsstrümpfe von ortho-top sowie passende Bandagen und Orthesen.
Zur Hilfsmittelversorgung beim Lymphödem gehören vor allem:
Kompressionsbandagen für die Entstauungsphase
Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe oder -armteile für die Erhaltungsphase
An- und Ausziehhilfen für die tägliche Anwendung
Hautpflegeprodukte zur Vorbeugung von Infektionen und Wundrose
In ausgewählten, meist fortgeschrittenen Fällen können operative Verfahren die konservative Therapie ergänzen. Heilbar ist ein Lymphödem auch durch eine Operation nicht, doch lassen sich Beschwerden und Fortschreiten begrenzen. Zu den Verfahren zählen die lymphovenöse Anastomose, der vaskularisierte Lymphknotentransfer und die lymphologische Liposuktion. Voraussetzung ist eine gesicherte Diagnose durch einen Lymphologen sowie eine anschließende konsequente konservative Nachbehandlung mit Kompression und Lymphdrainage.
Der Therapieerfolg hängt stark vom eigenen Mitwirken ab. Konsequentes Tragen der Kompression und regelmäßige Bewegung sind die wirksamsten Selbsthilfemaßnahmen. Geeignet sind ruhige Sportarten wie Spazierengehen, Wandern, Radfahren und besonders Schwimmen, da der Wasserdruck den Lymphfluss unterstützt. Wichtig ist außerdem eine sorgfältige Hautpflege, denn schon kleine Verletzungen können zu einer Wundrose führen.
Eine gute Vernetzung aller Beteiligten ist entscheidend: Patient, Arzt, Lymphtherapeut, Sanitätshaus und Krankenkasse sollten eng zusammenarbeiten. Wer sich vertieft informieren möchte, findet bei Veranstaltungen wie der Talkrunde zum Lymphödem und Lipödem praxisnahe Antworten und den Austausch mit Fachleuten.
Nein, ein Lymphödem ist eine chronische Erkrankung und nicht heilbar. Mit einer konsequenten Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie lassen sich Schwellung und Beschwerden aber sehr gut kontrollieren und ein Fortschreiten verhindern.
Die Behandlung beginnt mit einer Entstauungsphase aus täglicher Lymphdrainage und Bandagierung über mehrere Wochen. Danach folgt die Erhaltungsphase mit individuell angepasstem Kompressionsstrumpf, Bewegung und Hautpflege.
Bei ärztlicher Verordnung trägt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten. Betroffene zahlen die gesetzliche Zuzahlung von 10 Prozent plus 10 Euro je Rezept, bei Hilfsmitteln kann ein Eigenanteil über dem Festbetrag anfallen.
Das hängt vom Stadium ab. In der Entstauungsphase erfolgt sie oft täglich, in der Erhaltungsphase in größeren Abständen. Ein Arzt kann bis zu sechs Drainagen pro Rezept und maximal 30 insgesamt verordnen.
Operative Verfahren kommen vor allem in fortgeschrittenen Stadien als Ergänzung infrage, wenn die konservative Therapie nicht mehr ausreicht. Sie heilen das Lymphödem nicht, können aber Beschwerden lindern und erfordern eine konsequente Nachbehandlung.
Flachgestrickte Kompressionsbekleidung muss exakt an die individuellen Maße angepasst werden, um wirksam zu sein. Ein qualifiziertes Sanitätshaus mit lymphologischer Beratung stellt die richtige Passform sicher und begleitet die Versorgung dauerhaft.
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